Die Rechnungsfinanzierung und der Fiskus – wie sich Vorfinanzierung mit der Steuer verträgt

Alle Jahre wieder entbrennt er… der Streit um die Steuererklärung. Denn an jedem Geschäft, das in Deutschland getätigt wird, verdient in der Regel immer noch einer mit: Der Fiskus achtet mit den Argusaugen seiner Finanzamtsmitarbeiter darauf, dass der Gesetzgeber auch ja seinen Anteil erhält. Im Gegenzug ist Otto Normalbürger auf das Expertenwissen eines Steuerfachberaters angewiesen, denn bei den zahlreichen Gesetzen, Regelungen und Ausnahmen fällt es nicht immer leicht, den besten Weg zu finden, bei dem keine Seite zu viel erhält.

Für Selbständige, Kleinunternehmen und Mittelständler ist dies insbesondere wichtig, da vom jährlichen Rechnungsabschluss auch das Wohl und Weh der eigenen betrieblichen Existenz abhängen kann. Dazu zählt zwangsläufig auch der Anteil der verfügbaren Finanzmittel, mit denen gewirtschaftet werden kann. Bevor wir aber im Folgenden einen genaueren Blick auf die Frage werfen, ob das Modell der Rechnungsvorfinanzierung auch steuerliche Vorteile bieten kann, ist ein kleiner Ausflug in die Finanzbuchführung nötig.

 

Was habe ich? – Die Arten von Betriebsvermögen

Egal ob Selbständiger oder Unternehmen, jeder Gewerbetreibende verfügt über ein Betriebsvermögen, das sich aus mehreren Teilen zusammensetzt; zwei der wichtigsten seien hier genannt.

Zum einen wäre da das Anlagevermögen, also alle die Dinge, die dem Geschäftsbetrieb dauerhaft dienen. Dies sind beispielsweise Geschäftsräume, Ausstattung und Maschinen, aber auch immaterielle Güter wie Patente, Lizenzen, Marken- und Urheberrechte.

Auf der anderen Seite steht das Umlaufvermögen, das unter anderem die Roh- und Hilfsstoffe, Erzeugnisse und nicht zuletzt die liquiden Mittel des Unternehmens umfasst. Auf gut Deutsch: alles was das Unternehmen in der Kasse hat.

Generell gilt: Je höher der Anteil des Umlaufvermögens am Gesamtvermögen eines Unternehmens ist, desto mehr Kapital ist kurzfristig verfügbar.

 

Was brauche ich? – Die Bedeutung der Liquidität

Um genau dieses Umlaufvermögen geht es nun im Speziellen, denn es kann ausschlaggebend für das erfolgreiche Wirtschaften eines Unternehmens sein.

Mit anderen Worten: Es kann ganz konkret darauf ankommen, wie viel Barvermögen zu einem gegebenen Zeitpunkt zur Verfügung steht. Kreditgeber und Lieferanten lassen sich nämlich eher selten von ausstehenden Rechnungen oder dem Bestand an Rohmaterialien beeindrucken. Und noch seltener kann man seine eigenen Rechnungen damit bezahlen. Es mag vielleicht bilanztechnisch keinen großen Unterschied machen, ob das Umlaufvermögen in Rohstoffen, Guthaben, offenen Rechnungen oder tatsächlichen Kassenbeständen aufgeführt ist. Für ein Unternehmen, das finanziell flexibel agieren und reagieren möchte, ist dies allerdings erheblich.

 

Mehr Cash statt vollem Lager und leerer Kasse

Wie schon in anderen Beiträgen unseres Blogs hervorgehoben, steht mit der Rechnungsvorfinanzierung ein effektiver Weg zur Verfügung, die eigene Liquidität in kurzer Zeit zu erhöhen.

Allerdings verursacht diese Umwandlung ihrerseits Kosten, nämlich die Servicegebühr des Finanziers der Rechnungsvorfinanzierung; in der Bilanz wäre dies eine Verbindlichkeit.

Und diese könnte (gemäß § 4 Abs. 4 EStG) steuerlich absetzbar sein, wenn sie denn als betriebsnotwendiger Aufwand aufgeführt wird, der das Ziel hat, einen konkreten finanziellen Effekt, nämlich die Erhöhung der Umlaufintensität zu erzielen.

Der Vorteil dieses Schritts gegenüber dem Fiskus ist klar: je höher die Aufwände im Vergleich zu den Einnahmen, desto geringer diese Differenz der beiden Seiten der Jahresbilanz, also der tatsächliche Gewinn, auf genau letztendlich die Steuern gezahlt werden müssen. Damit verbleibt mehr des Vermögens beim Unternehmer.

 

Eine Chance, kein Versprechen! – alle Informationen ohne Gewähr

Natürlich sind wir weder als Steuerberater tätig, noch haben wir Einfluss darauf, ob das Finanzamt der obenstehenden Argumentation folgen würde, oder nicht. Im Zweifelsfall empfiehlt sich daher immer der Weg zum eigenen Steuerberater, der dazu eine konkrete Expertenmeinung bieten kann.

Wir finden, dass das Thema aktiven und häufigen Nutzern der Rechnungsvorfinanzierung in jedem Fall eine Nachfrage wert sein sollte. Denn schließlich soll es auch bei der nächsten Steuererklärung wirklich fair für alle zugehen.

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