Welche Steuern muss ich als Selbständiger wirklich zahlen?

Auf eigenen Füßen zu stehen, sein eigener Boss zu sein, sich selbst verwirklichen – gute Gründe für die berufliche Selbständigkeit gibt es viele. Aber natürlich hat auch diese Münze zwei Seiten, denn ganz ohne Verpflichtungen geht es nicht, so auch die Verpflichtung Steuern zu zahlen. Wir möchten gern eine kleine Übersicht zusammenstellen, mit der sich der Weg durch den Dschungel der Steuergesetzgebung einfacher finden lässt.

 

Selbständig ist nicht gleich Selbständig – Rechtsformen der Selbständigkeit

Um zu verstehen, dass nicht jede Steuer auf jeden beruflich Unabhängigen gleichermaßen zutrifft, muss man sich zunächst die rechtliche Form der Selbständigkeit ansehen. Die Unterschiede bedingen, was das Finanzamt von einem erwartet. Die Möglichkeiten lassen sich in drei Gruppen einteilen.

  • Personengesellschaften – dies umfasst neben Kaufmann und Einzelunternehmer auch die Rechtsformen GbR und OHG
  • Kapitalgesellschaften – hierzu zählen GmbH, UG und die Aktiengesellschaft
  • Freiberufler

Für alle, die von ihrer selbstständigen Tätigkeit leben, gilt die Pflicht zur Einkommensteuer, nur bei Kapitalgesellschaften kommt stattdessen die Körperschaftssteuer zum Tragen.

Ebenso ist die Pflicht zur Umsatzsteuer für alle genannten Formen der Selbständigkeit gültig, ebenso wie die damit verbundene und entsprechend anzumeldende Vorsteuer. Allerdings gibt es hier eine mögliche Ausnahmeregelung für Kleinunternehmer, auf die wir noch genauer eingehen werden.

Personengesellschaften, die als Gewerbe geführt werden, sind darüber hinaus zur Gewerbesteuer verpflichtet.

Das soll für einen ersten Überblick genügen. Widmen wir uns nun genauer den verschiedenen Steuerarten.

 

Die harte Hand des Fiskus – Die verschiedenen Steuern im Detail

1. Einkommensteuer/Körperschaftssteuer

Egal ob Freiberufler, Personen- oder Kapitalgesellschaft, die Einkommensteuer (ESt) wird immer auf den Gewinn eines Unternehmens veranschlagt, d.h. die Differenz zwischen allen Einnahmen und allen Ausgaben innerhalb des veranschlagten Zeitraums (üblicherweise 12 Monate).

  • Bei Personengesellschaften sind die Gesellschafter verpflichtet, diesen Gewinn anteilig in ihrer persönlichen Steuererklärung anzugeben und zu versteuern. Die Höhe des Anteils und damit auch die Höhe der Steuern richtet sich nach dem Gesellschaftsvertrag; der Steuersatz ist hierbei progressiv angelegt.
  • Kapitalgesellschaften, die statt der Einkommenssteuer die Körperschaftssteuer (KSt) abführen müssen, haben einen festen Steuersatz (15% für Selbständige). Falls eine Gewinnausschüttung vorgenommen wird, ist außerdem eine Abgeltungssteuer fällig.
  • Für Freiberufler wird die Höhe der zu entrichtenden Einkommensteuer über die persönliche Einkommensteuer ermittelt, also so der Gewinn errechnet, auf den die Steuer zu zahlen ist.
  • Alle drei Gruppen müssen einen Solidaritätszuschlag von 5,5% entrichten.
  • Freibeträge sind nur von Freiberuflern und Personengesellschaften, niemals von Kapitalgesellschaften anrechenbar.

2. Umsatzsteuer/Vorsteuer

Die Umsatzsteuer (USt) wird auf das Entgelt von Lieferungen und Leistungen eines Unternehmens veranschlagt und gilt, wie bereits erwähnt, für alle Unternehmen. Sie wird umgangssprachlich auch Mehrwertsteuer genannt, da sie effektiv die Differenz zwischen dem Erlös für Lieferung/Leistung eines Unternehmens und den Vorleistungen durch vorhergehende Unternehmer in der Wertschöpfungskette betrifft – also den tatsächlichen Mehrwert, den ein Unternehmer durch eigenes Handeln dem übernommenen/erworbenen Wert hinzufügt. Sie kann, je nach Produkt oder Leistung, 19% oder 7% betragen.

Die Umsatzsteuer muss monatlich angemeldet und abgeführt werden; in bestimmten Fällen kann das Finanzamt auch einen anderen Turnus für die Umsatzsteuervoranmeldung veranschlagen. In jedem Fall ist einmal jährlich eine Umsatzsteuererklärung fällig.

Die Vorsteuer ist auf die Umsatzsteuer anrechenbar. Sie bezeichnet die bereits gezahlte Umsatzsteuer, die man bereits beim Kauf der erworbenen Vorleistungen (z.B. Rohstoffe, eingekaufte Waren oder Dienstleistungen) entrichtet hat (USt auf betriebliche Ausgaben). Da es sich hierbei nicht um eine Abgabe, sondern eher um eine Reduzierung der zu zahlenden Umsatzsteuer handelt, lautet die korrekte Bezeichnung dieses Schritts auch Vorsteuerabzug.

Wenn also beim Warenverkauf mit dem Warenwert auch 21€ USt vom Käufer eingenommen werden, aber beim eigentlichen Wareneinkauf bereits 14€ USt (Vorsteuer) gezahlt wurden, sind effektiv nur 7€ USt für den eigenhändig geschaffenen Mehrwert abzuführen.

Bestimmte Berufsgruppen können ihr Vorsteuergutgaben auch pauschal ermitteln.

3. Gewerbesteuer

Die Gewerbesteuer (GewSt) ist von gewerblich Selbständigen zu zahlen, die in ihrer Rechtsform eine Kapitalgesellschaft oder eine Personengesellschaft bzw. ein Einzelunternehmen sind; sie gilt also nicht für Freiberufler. Da diese Steuer einen Freibetrag beinhaltet, bedeutet es, dass dieser zunächst vom reinen Gewinn überschritten werden muss; besteuert wird dann die Differenz von tatsächlichem Gewinn und Freibetrag.

Die tatsächliche Höhe wird durch das Steuermessbetragsverfahren bestimmt. Dazu wird der Gewerbeertrag auf die nächsten vollen 100€ abgerundet, dann wird der besagte Freibetrag abgezogen (der je nach Rechtsform variiert). Das Ergebnis wird dann mit der Steuermesszahl (seit 2009 einheitlich 3,5%) multipliziert und mit einem von der jeweiligen Gemeinde bestimmten Hebesatz (mindestens 200%, vorgeschrieben in §16 Abs. 4 Satz 2 GewStG) verrechnet.

Der Freibetrag für natürliche Personen (gewerbliche Einzelunternehmen und Personengesellschaften) beträgt 24.500€, für Vereine und juristische Personen öffentlichen Rechts 5.000€; Kapitalgesellschaften erhalten keinen Freibetrag.

 

Eine Kleinigkeit gäbe es da noch – Besonderheiten und zusätzliche Steuern

Klein, aber glücklich

Die bereits angekündigte Ausnahme zur Umsatzsteuerpflicht ist die sogenannte Kleinunternehmerregelung. Sie besagt, dass man in seinen eigenen Rechnungen nur einen Nettorechnungsbetrag angibt und auch einnimmt. Die Umsatzsteuer wird nicht an den Kunden weitergereicht.

Voraussetzungen
  • Der Umsatz des Unternehmens (zzgl. der darauf entfallenden Steuer) hat im vergangenen Kalenderjahr nicht 17.500€ überstiegen UND im laufenden Kalenderjahr werden die zu erwartenden Umsätze einen Wert von 50.000€ voraussichtlich nicht übersteigen (gemäß §19 Abs.1 S.1+2 UStG).
Vorteil
  • Da nun keine Umsatzsteuer ausgewiesen und vom Kunden gezahlt wurde, muss vom Selbständigen auch keine Umsatzsteuer abgeführt werden.
Nachteil
  • Eigene Vorsteuern, wie sie bei betriebsnotwendigen Ausgaben anfallen, können nun nicht länger angerechnet werden. Da man nun selbst das letzte Glied der Wertschöpfungskette ist, trägt man die volle Steuerlast allein. Bereits gezahlte Umsatzsteuern kann man sich vom Finanzamt nicht wieder erstatten lassen.

Sofern man allerdings als Selbständiger keine eigenen größeren Betriebsausgaben hat, lohnt sich dieses Verfahren, da es vor allem den bürokratischen Aufwand verringert.

Nicht nur dein eigener Boss

Eine weitere Besonderheit ergibt sich, wenn man als Selbständiger noch Angestellte beschäftigt. Für jeden Angestellten fallen dann Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuern an. Da man nun selbst als Arbeitgeber fungiert, muss man auch weitere Pflichtbeiträge (Sozialversicherungsbeiträge) entrichten.

All diese Abgaben werden bei der Lohnzahlung an den Arbeitnehmer vom Arbeitgeber einbehalten und an das Finanzamt abgeführt, während der Arbeitnehmer nur den Nettolohn erhält. Eine genauere Betrachtung dieser Situation ginge allerdings zu sehr ins Detail; daher ist in einem solchen Fall der Weg zum Steuerberater mehr als ratsam!

 

Kritisches Timing – Fristen für Selbständige im Überblick

Mit dem Finanzamt ist nicht zu spaßen. Zwar gibt es auch seitens der Beamten gewisse Spielräume und Kulanzen, besser fährt man jedoch, wenn man sich von vornherein an die vorgegebenen Termine hält und damit weiteren Aufwand vermeidet.

Einkommensteuer
  • Die Einkommensteuererklärung über ein Kalenderjahr muss bis zum 31. Mai des Folgejahres eingereicht werden. Sollte eine Vorauszahlung der Einkommensteuer vom Finanzamt veranschlagt werden, so sind diese Zahlungen am 10. März, 10. Juni, 10. September und 10. Dezember fällig.
Gewerbesteuer
  • Auch die Gewerbesteuererklärung ist spätestens am 31. Mai des Folgejahres einzureichen. Vorauszahlungen für die Gewerbesteuer sind am 15. Februar, 15. Mai, 15. August und 15. November zu entrichten.
Umsatzsteuer
  • Wie bereits erwähnt, muss die Umsatzsteuer monatlich beim Finanzamt angemeldet und parallel dort eingezahlt werden. Stichtag ist dabei der 10. Tag des jeweiligen Monats.

 

Lass das mal den Profi machen

Aus gutem Grund gibt es in Ländern mit komplexen Steuersystemen auch Experten, die sich mit den Steuergesetzen und ihren Besonderheiten auskennen. Wie immer weisen wir an dieser Stelle darauf hin, dass wir nicht als Steuerberater tätig sind. Daher empfehlen wir grundsätzlich die Konsultation eines Steuerfachberaters, der ganz individuell sagen kann, welche steuerlichen Pflichten genau anfallen, über welche Variablen noch Abgaben eingespart werden können, und welche Steuern letztendlich tatsächlich abzuführen sind.

Wir hoffen, dass unsere kleine Übersicht einen ersten Eindruck vermitteln konnte und eventuell als Anregung dient, zu welchen Punkten man dem Steuerfachmann seines Vertrauens vielleicht noch eine Frage mehr stellen könnte.

Verwandte Beiträge

Kommentieren